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„Dies geschieht nicht zwischen Tür und Angel“

„Dies geschieht nicht zwischen Tür und Angel“

© B. Gautel (links), C. Wyrwa (rechts) / LUH

Ein gelungener Einstieg entscheidet über Qualität und Zufriedenheit in der Lehre. Neue Lehrende werden durch ein durchdachtes Onboarding mit klarer Orientierung, frühzeitigem Zugang zu zentralen digitalen Diensten sowie kollegialer Vernetzung und zeitnahem Feedback gestärkt und entlastet. Bettina Gautel und Evelin Becker vom Institut für Erziehungswissenschaft der Philosophischen Fakultät geben Einblicke, was neue Lehrpersonen in der Einarbeitung wirklich brauchen und wie der Start in die Lehre gelingen kann.


Dieses Interview erschien in der Update Lehre vom März 2026.


Frau Becker, auch von uns herzlich willkommen an der LUH! Wie hat sich der Einstieg für Sie angefühlt und wie haben Sie Ihre ersten Tage erlebt?

Vielen Dank – ich freue mich sehr, Teil der LUH zu sein! Die ersten Tage waren selbstverständlich geprägt von zahlreichen neuen Eindrücken. Es handelt sich um meine erste Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin und demnach habe ich die unterschiedlichen Aufgaben dieser Position erstmalig kennengelernt. 

Dabei hat mir der Onboarding-Prozess im Arbeitsbereich den Einstieg erheblich erleichtert. Ich wurde von Beginn an sehr herzlich aufgenommen. Mir wurde meine Mentorin, Bettina Gautel, zugewiesen, die mit mir gemeinsam die zentralen organisatorischen und fachlichen Aspekte systematisch durchgegangen ist und meine Fragen sehr ausführlich beantwortet hat. Darüber hinaus erhielt ich ein Dokument mit allen wichtigen Informationen zum Onboarding und Zugang zu einem Literaturordner mit relevanten Fachmaterialien. Somit hat sich mein Einstieg sehr strukturiert und informativ angefühlt.
 

Was hat Ihnen bei Ihrem Start an der LUH besonders geholfen?

Mir hat besonders das nahbare kollegiale Umfeld im Arbeitsbereich geholfen. Ich wusste, dass alle meine Kolleginnen ein offenes Ohr für meine Fragen haben. Frau Gautel und ich hatten außerdem wöchentliche Treffen, bei denen wir aufgekommene Punkte besprechen konnten. Regelmäßige Teambesprechungen und regelmäßiger fachlicher Austausch mit allen Mitarbeiterinnen im Arbeitsbereich schaffte sicheren Raum für Orientierung.
 

Was brauchen Sie noch, um gut auf Ihre Lehrtätigkeit vorbereitet zu sein?

Ich könnte mir vorstellen, von einem Austausch mit anderen Instituten im gleichen Studiengang zu profitieren. Interne Kooperationen über das eigene Institut hinaus und eine gemeinsame Reflexion mit Nachwuchs-Lehrenden könnten mich nachhaltig unterstützen, mich in der Rolle einer lehrenden Person zu verstehen.
 

Frau Gautel, Sie haben Frau Becker bei ihrem Start an der LUH begleitet. Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend für einen erfolgreichen Einstieg?

Aus meiner Sicht ist entscheidend, dass zunächst ein Überblick über die Rahmenbedingungen gegeben wird – z. B. wer am Institut verantwortlich für die Lehrplanung ist, was den Unterschied zwischen Lehrdeputat und einem Lehrauftrag ausmacht, in welchen Studiengängen/Modulen wir überhaupt Lehre ausbringen oder was eine Studien- und was eine Prüfungsleistung ist.

Darüber hinaus halte ich den kollegialen Austausch und auch die Team-Planung für essentiell. Gemeinsam mit zwei weiteren erfahrenen Kolleg*innen unterstütze ich Evelin Becker sowie zwei weitere neue Kolleg*innen bei der Planung ihres ersten Seminars. Im Fokus steht dabei zunächst der Erfahrungsaustausch in Bezug auf das konkrete Seminar: Welches Ziel verfolgt das Seminar? Welche Themenschwerpunkte sind für die Studierenden besonders zugänglich? Welche Aufgaben haben sich als förderlich erwiesen? Welche Methoden haben wir schon ausprobiert? Welche alternativen Vorstellungen über Unterricht oder Aufgaben von Lehrpersonen bringen die Studierenden mit in das Seminar? Welche Herausforderungen sind uns in der Lehre begegnet? 

Im Anschluss wird gemeinsam der Syllabus1 für das Seminar erarbeitet, um einen ersten Überblick über die Struktur der einzelnen Sitzungen zu geben. Hier bietet sich auch für uns als erfahrene Lehrpersonen die Gelegenheit, Inhalte kritisch zu reflektieren und Studien- und Prüfungsleistungsformate zu überdenken. Ziel ist es, gemeinsam zu einer Seminarstruktur zu kommen, die an den (Kompetenz-)Zielen des Moduls, aber auch an den Bedürfnissen der Lehrenden und Studierenden orientiert ist. 

Zusammengefasst ist für mich für einen erfolgreichen Einstieg entscheidend, dass neue Kolleg*innen verlässlich Orientierung zu den Rahmenbedingungen erhalten und die Seminargestaltung im kollegialen, reflexiven Austausch erfolgt. Im besten Fall werden dabei Formate und Strukturen etabliert, die über den Onboarding-Prozess hinaus erhalten bleiben.
 

Gab es einen besonderen Moment, der Ihnen gezeigt hat, dass es funktioniert? 

Insbesondere in dieser Woche, in der wir konkret in die Lehrplanung für das Sommersemester 2026 eingestiegen sind, zeigt sich für mich, wie wertvoll der kollegiale Austausch ist. Zum einen haben die neuen Kolleg*innen, wie Evelin Becker, Einblicke in das Erfahrungswissen der Kolleg*innen erhalten und Routinen in der Lehre kennengelernt. Gleichwohl hat sich gezeigt, wie wertvoll es ist, dass neue Kolleg*innen neue Impulse setzen (können) und etablierte Muster kritisch hinterfragen, um gemeinsam zur (Weiter-)Entwicklung der Lehre beizutragen. Der offene und kreative Austausch im Rahmen der Lehrplanung zeigt mir, dass wir es als Team geschafft haben, eine sichere und wertschätzende Atmosphäre für die Zusammenarbeit zu schaffen.  
 

Gibt es Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote, die Sie neuen Lehrpersonen in der Einarbeitungszeit besonders empfehlen können?

Ich möchte den neuen Lehrpersonen den „Tag der Lehre“2 ans Herz legen. Ich habe diesen Tag stets als Chance gesehen, Lehrende aus anderen Instituten und Fachbereichen kennenzulernen und über gemeinsame Herausforderungen in der Lehre in den konstruktiven und wertschätzenden Austausch zu treten. Auch Angebote wie das „BarCamp Lehre“3 oder „Lehre am Mittag“4 nehme ich als geeignete Austausch- und Fortbildungsformate wahr.
 

Welche Tipps geben Sie anderen Personen, die neue Lehrende einarbeiten, mit?

Den neuen Mentor*innen möchte ich raten, Räume für Austausch und Fragen zu schaffen. So werden die neuen Kolleg*innen ermutigt Fragen zu stellen und Unsicherheiten zuzugeben und/oder sich Rat zu holen. Dies geschieht nicht „zwischen Tür und Angel“. Außerdem halte ich es für zentral zunächst zu reflektieren: Mit welchen Werten und welcher Haltung gehe ich in die Lehre und was davon möchte ich an meine neuen Kolleg*innen „weitergeben“? Dabei gilt es für mich auch offen für neue Ideen zu sein und die bisherige Lehrplanung und -durchführung gemeinsam zu reflektieren. Schlussendlich habe ich es für mich selbst als hilfreich und entlastend empfunden, Basisinformationen zum Thema akademische Selbstverwaltung sowie Regeln und Routinen in der Lehre schriftlich zum Nachlesen für die neuen Lehrenden festzuhalten. Dadurch habe ich mir und Frau Becker viele Nachfragen auf organisatorischer Ebene erspart und wir konnten immer direkt in den inhaltlichen Austausch gehen.
 

Frau Gautel und Frau Becker, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Dana Büthe-Noack, Sachgebiet Personalentwicklung, Dezernat 1

uni-hannover.de/studium/lehre/professionalisierung-und-netzwerk/neu-in-der-lehre

 


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2 Tag der Lehre
3 Barcamp Lehre
4 Lehre am Mittag